Ground Floor Interface – Herausforderung Erdgeschoss

Ground Floor Interface – Herausforderung Erdgeschoß ist ein Forschungsprojekt der Wüstenrot Stiftung, das die Rolle des Erdgeschosses als Bindeglied zwischen städtischem Raum und privater Wohnnutzung aufgreift und analysiert. Im Zentrum steht eine typologische Untersuchung der Erdgeschosszone im verdichteten Wohnungsbau und die Analyse exemplarischer Projektbeispiele aus Amsterdam, Berlin, Frankfurt, Genf, Kopenhagen, Ljubljana, Mailand, München, Oita, Paris, Tokio, Tübingen, Venlo, Winterthur und Zürich.

Im Rahmen einer vergleichenden Darstellung werden besonders gelungene, übertragbare und innovative räumliche Lösungen vorgestellt; sie geben als Teil eines übergreifenden Qualitätskonzepts zugleich wichtige Impulse zur Stärkung der architektonischen Gestaltungskraft in der nutzungssensiblen Übergangszone zwischen Wohnungs- und Städtebau. Eine der Herausforderungen besteht dabei im Zusammenführen spezifischer, individueller Interessen im privaten Wohnungsbau mit den Auflagen und Zielen auf Seiten der Städte, zu deren Verantwortungsbereich auch die Sicherung und der Ausbau der sozialen Infrastruktur gehört.

Die Ausrichtung des Forschungsprojektes hatte deshalb zum Ziel, die Erdgeschosszone im verdichteten Wohnungsbau aus zweierlei Perspektiven heraus zu betrachten: Aus der Perspektive des öffentlichen Raumes und aus der Perspektive des privaten Wohnungsbaus mit einem Fokus auf den Schnittstellen und Übergängen zwischen diesen beiden Bereichen. Zu den übergeordneten Faktoren, die sich an diesen Schnittstellen bemerkbar machen, gehört der Strukturwandel von Einzelhandel und Kleingewerbe zu großflächigeren Einheiten mit angeschlossenen Parkmöglichkeiten. Dieser Wandel führt in vielen Städten zur Abwanderung kleiner Gewerbeeinheiten aus den verdichteten Zonen der Stadt. Die Erdgeschosse verlieren ökonomisch immer mehr die Attraktivität, die sie zu Zeiten einer aktiven kleinteiligen Gewerbestruktur noch hatten. Auf ökonomischer Ebene spielt die Erdgeschossnutzung dann nur noch eine untergeordnete Rolle und wird deshalb mit Ausnahme der Einkaufszonen in zentralen Lagen in der Projektentwicklung vernachlässigt.

Im Forschungsprojekt wurde deshalb auf die besondere Bedeutung hingewiesen, die ein Quartiersmanagement haben kann, das einzelnen Wohnbauträgern vor allem in der Startphase bei der Vermietung gewerblich genutzter Erdgeschosse unterstützt. Die Rolle eines Quartiersmanagement wird dadurch weiter verstärkt, dass es in der Erdgeschosszone viele funktionale Notwendigkeiten gibt, wie beispielsweise Eingänge, Durchgänge, Tiefgaragenabfahrten, Feuerwehrzufahrten, Abstellflächen und dergleichen. Dieses Nebeneinander von Funktionen und Zuständigkeiten bringt viele Nutzungsüberlagerungen und hierdurch entstehende Nutzungskonflikte mit sich.

Die Konzeption des Forschungsprojektes der Wüstenrot Stiftung entstand in Abstimmung mit der TU München; seine Durchführung wurde Doris Zoller übertragen, die zugleich die Inhalte der Veröffentlichung maßgeblich erarbeitet hat.

Projektlaufzeit:2009 – 2014
Projektbeteiligte:Prof. Sophie Wolfrum, TU München (Kooperationspartner); Doris Zoller (Autorin und Projektkoordinatorin)