Planungskultur in der Stadt. Zuhause in der Stadt – eine Diskussionsreihe

Diskussion Zuhause in der Stadt / Testlabor Wohnen

Michael Mönninger (l.) moderiert die Debatte zwischen (v. l.) Paolo Fusi, Ingo Malter, Regula Lüscher, Vera Tollmann und Andreas Garkisch (Foto: Erik-Jan Ouwerkerk © Aedes)

Gemeinsam mit Aedes Network Campus entwickelte die Wüstenrot Stiftung eine dreiteilige Diskussionsreihe zu der Frage, „Wie wollen wir in unseren Städten wohnen?“ Am Anfang stand eine Veranstaltung zu Bauausstellungen als Experimentierfeld für den Wohnungsbau, dem schloss sich eine Diskussion zur Beteiligungskultur an, den Abschluss bildete ein Abend zum Thema Umnutzungen. Ziel der Reihe war es, neue Handlungsaufforderungen und Denkanstöße zu Qualität, Form und Kosten des Wohnens zu generieren und einen Blick auf die Entwicklung des Wohnungsbaus, dessen Einfluss auf das Bild der Städte und somit auch auf die Ideale der Zeit zu werfen.

An der Debatte 1 unter dem Titel „Testlabor Wohnen. Wohnideale im IBA Labor“ im August 2013 nahmen Andreas Garkisch (03 Architekten, München), Paolo Fusi (Fusi Ammann Architekten, Hamburg), Regula Lüscher (Senatsbaudirektorin Berlin), Ingo Malter (Stadt und Land Wohnbauten-Gesellschaft mbH, Berlin) und Vera Tollmann (Kulturwissenschaftlerin, Berlin), die in einem „Low-Budget-Wohnexperiment“ lebt, teil; moderiert wurde das Gespräch von dem bekannten Kritiker Michael Mönninger. Bauausstellungen gelten weiterhin als wichtige Impulsgeber für Stadt- und Regionalplanung, doch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen – Demografie, Pro-Kopf-Verbrauch an Wohnfläche – und eine zu beobachtende Rückläufigkeit der Funktionstrennung in den Städten werfen neue Fragen auf. Diskutiert wurden das bestehende Repertoire an städtischen Bauformen und die Entwicklung von flexiblen, strukturell konzipierten Bautypen, aber auch die Möglichkeit, suburbane Lebensvorstellungen in den städtischen Kontext zu integrieren.

Anfang November 2014 widmete sich die zweite Debatte dem „Versuchsfeld Beteiligungskultur. Partizipation versus Segregation“. Beteiligungskultur und Initiativen in der Stadt nehmen seit Jahren zu: Einwohner und Anwohner nehmen Teil an der Entwicklung von Quartieren und Pilotprojekten, übernehmen Verantwortung durch Aneignung des Stadtraumes. Somit erlebt die Stadt ein nicht von oben verordnetes Durchmischungsprinzip wie beispielsweise ein Luxussanierungsverbot oder eine Quotierungsreglungen, sondern eine „bottom up“ Bewegung. Das neue Modell der Baugruppen versucht mit eigenen Hausprojekten die hochpreisigen Investorenprojekte im Wohnungsmarkt zu umgehen. Aber was passiert auf dem Mietwohnungsmarkt? Muss es einen neuen sozialen Wohnungsbau geben? Wie könnte eine stadtverträgliche „Soziale Mischung“ aussehen und wie kann man sie erreichen? Was können Architekten tun und was die Politik? Die Fragen diskutierten Dr. Wolfgang Förster (Referatsleiter der Wohnbauforschung, Magistrat der Stadt Wien), Tom Kaden (Kaden Klingbeil Architekten, Berlin), Jens-Holger Kirchner (Baustadtrat Berlin Pankow), Prof. Cordelia Pollinna (Architektursoziologin, TU Berlin) und Peter Pulm (Quartiersmanagement Pallasseum). Das Gespräch, zu dem Constance Cremer (Senstadt Berlin Wohnen/Partizipation) einen kurzen Einführungsvortrag hielt, moderierte Michael Mönninger.

Den Abschluss der dreiteiligen Veranstaltungsreihe bildete Anfang Dezember 2013 eine Debatte unter dem Titel „Experiment Umnutzung. Wohnraum neu erfinden“. Vor dem Hintergrund des aktuellen Wohnungsbedarfs in Städten und des gleichzeitigen Leerstands von Bürokomplexen und ehemaligen Industriebauten diskutierten Prof. Philip Ursprung, Institut für Geschichte und Theorie der Architektur, ETH Zürich, Gisbert Dreyer, Planungsgesellschaft München, Stefan Forster, Architekt, Frankfurt am Main, Ulli Helweg, IBA Hamburg und Rolf Novy-Huy, Stiftung TRIAS, Hattingen, das Potenzial ungenutzter Gewerbeflächen für die Umnutzung zu Wohnzwecken. Die Moderation übernahm der Architekturkritiker und –historiker Olaf Bartels. Im Fokus der Diskussion standen dabei Fragen nach der Wohnqualität, die diese Gebäude nicht zuletzt wegen ihres Standortes überhaupt bieten können, nach der ökonomischen Tragfähigkeit der Umnutzung und auch nach dem Sanierungsaufwand in energetischer Hinsicht.

Die Debatten wurden lebhaft und konstruktiv geführt, auch das zahlreiche Publikum mischte sich mit großem Interesse in die Diskussionen.