Vergegenwärtigung. Erinnerung | Inszenierung | Spekulation

Symposium im Kanzlerbungalow (Foto: David von Becker © Wüstenrot Stiftung)

Symposium im Kanzlerbungalow (Foto: David von Becker © Wüstenrot Stiftung)

Savvas Ciriacidis und Alex Lehnerer, die Kommissare für den deutschen Beitrag zur Architekturbiennale 2014 in Venedig, luden gemeinsam mit der Wüstenrot Stiftung im März 2014 zu einem Symposium in den Kanzlerbungalow in Bonn ein. Inspiriert von der Atmosphäre des realen Ortes erörterten Experten unterschiedlicher Herkunft in einer moderierten, assoziativen Gesprächsrunde vielfältige Aspekte rund um die Bedeutung, Symbolik, Gestaltung, Wahrnehmung und Nutzung des Kanzlerbungalows – gestern, heute und morgen.

Wie öffentlich und wie real ist dieses Gebäude, damals wie heute? Wie medial geformt ist sein Abbild als Ort der Erinnerung? Wie museal und wie spekulativ ist seine heutige Interpretation? Wie dominant sind seine Genese und seine temporäre, vergangene Nutzung für seine zukünftige Wahrnehmung?

Viele Gebäude, die ähnlich wie der Kanzlerbungalow in einer von den Medien geprägten Wahrnehmung als Solitäre erscheinen, haben eine gebaute Umgebung und einen unmittelbaren Bezug dazu. So kann man fragen, ob die „Haltung zur Zurückhaltung“ als eine Form der Qualität von Alltäglichkeit ein typisches Merkmal der Bonner Regierungsbauten ist, durch die einem neu geschaffenen politischen Machtzentrum ein temporärer Charakter verliehen werden sollte.

Die Inhalte des Symposiums lieferten als eine Verdichtung der vielfältigen Impulse, die aus dem Beitrag zu Biennale entstehen konnten, eine wichtige Orientierungshilfe für das Lesen von Bungalow Germania. Darüber hinaus sind sie ein Manifest der Offenheit, die für eine gemeinsame Weiterführung und Erweiterung der Diskussion um zusätzliche Ebenen benötigt wird. Vergegenwärtigung ist dabei ein zentraler Begriff für viele Anregungen, die der Bungalow Germania lieferte und für viele Fragen, deren intensive und kritische Reflexion durch ihn befördert werden konnte.

Der Kanzlerbungalow in Bonn wurde von der Wüstenrot Stiftung im Rahmen ihres Denkmalprogramms in den Jahren von 2006 bis 2009 instandgesetzt. Damit verbunden war eine Vorbereitung für seine neue Nutzung als erlebbarer und erfahrbarer Ort der jüngeren Geschichte.

Die weitere Zukunft des Kanzlerbungalows ist auch davon abhängig, wie mit der Vergegenwärtigung von Architektur an der Schnittstelle von Vergangenheit und Zukunft umgegangen wird. Die signifikante Rolle, die dieses Gebäude in der Ausstellung Bungalow Germania einnehmen konnte, zeigt, wie viel wir aus seiner Architektur und aus seiner Geschichte noch lernen können.

Projektlaufzeit:2014
Auftragnehmer:Wolfgang Bachmann, Dr. Ursula Baus, Christian Holl
Kooperationspartner:Savvas Ciriacidis, Prof. Dr. Alex Lehnerer