Preisträger*innen
Dokumentarfotografie Förderpreise 10 (2013)
Typ

Birte Kaufmanns Arbeit „The Travellers“ gibt einen Einblick in den Alltag der größten Minderheitsgruppierung Irlands. Diese hat einen nomadischen Ursprung und kommt aus der Tradition der Wanderarbeiter. Weil diese aufgehoben wurde, sind sie auf der Suche nach einer neuen Identität in der westeuropäischen Gesellschaft des 21. Jahrhunderts. Durch ihre Traditionen und ihre anderen Lebensgewohnheiten finden sie wenig Akzeptanz in der übrigen irischen Gesellschaft. Sie führen ein Leben in einer Art Parallelwelt, die mit eigenen strengen Regeln versehen ist, traditionelle Rollenmuster noch gelebt werden und Außenstehende wenig Zugang finden. Auch heute leben einige Travellerfamilien illegal am Straßenrand, weitgehend ohne Strom, fließendes Wasser und sanitäre Anlagen, obwohl die Regierung eigens für sie Plätze eingerichtet hat, auf denen sie mit ihren Wohnwagen stehen können (engl. Haltingsites).
Für ihre Arbeit fuhr Birte Kaufmann das erste mal im Sommer 2011 mit einem VW-Bus nach Irland. Mit ihrer Fotografie will sie die Lebensweise und Wertvorstellungen der Traveller dem Betrachter nahe bringen. Sie interessiert nicht das Romantisierende der Lebensweise sondern das Alltägliche. Ein Alltag, in dem noch Hasen gejagt werden, Pferde eine zentrale Rolle spielen, der aber auch geprägt ist durch Härte und Langeweile von frühester Kindheit an. Seit ihrer ersten Begegnung hält Kaufmann den Kontakt mit einem der Clans aufrecht und erhielt mit der Zeit ihr Vertrauen. So konnte sie eng mit einer Großfamilie der Traveller am Straßenrand oder auf einem Haltingsite zusammenleben. Sie und ihre Kamera wurden so mit der Zeit ein Teil ihres Alltags.


Guy Debord formulierte 1967 mit „La Société du Spectacle“ die Kritik an einer Gesellschaft, die nur noch aus ihren Oberflächen zu bestehen scheint. Er beklagte, dass sich die Welt in Realität und Bild aufgespalten habe, in Sein und in Schein. Die sinnliche Welt werde durch eine über ihr schwebende Auswahl von Bildern ersetzt, welche zugleich als das wahre Sinnliche anerkannt würden. Das Spektakel zersetze die Wirklichkeit. Auch Politik werde zur Show und Showbusiness zu Politik: „Dort personalisiert sich die Regierungsgewalt zu einem Pseudostar.“ (Debord)
Die Wandlung von Politakteur zu Polit-Actor möchte Sara-Lena Maierhofer in ihrer Arbeit anhand dem ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi zeigen. Seine Person und Biographie qualifizieren ihn als Studienobjekt zur Telekratie, einer von Medien beeinflussten Form der Politik. Aus einem ehemaligen Sänger auf Kreuzfahrtschiffen wurde ein Medienmogul, einer der reichsten Männer Italiens. Die Welt der Politik betrat er 1994 mit der Gründung der Partei Forza Italia, vermutlich um Einfluss auf das Parlament zu nehmen, das die Mediengesetze zu seinen Ungunsten ändern wollte. Sein rasanter politischer Aufstieg und ausdauernder Machterhalt ist für viele Menschen unverständlich. Sara-Lena Maierhofer suchte die Auseinandersetzung mit dem Phänomen Berlusconi, visuell und auf theoretischer Ebene. Seine Figur bündelt verschiedene Tendenzen der politischen und gesellschaftlichen Gegenwart, denen sie auf den Grund gehen möchte.

„Die neue Ungleichheit“ ist ein Versuch, sich dem Verhältnis von Architektur und Neoliberalismus anzunähern: Was könnte neoliberale Architektur sein? Weist sie einen bestimmten Stil auf oder wäre sie eher politisch/ökonomisch zu definieren? Die Arbeit begegnet der komplexen Fragestellung mit einer betont einfachen Strategie: einem abgesteckten Stadtspaziergang durch die Stadt Köln, vorbei an Gebäuden verschiedenster Stile und Epochen, die formal kaum Gemeinsamkeiten aufweisen. Ihr Zusammenhang ist vielmehr struktureller Natur: ihre Zustände, Wertschätzungen und politischen Einbindungen zeichnen ein Bild der architektonischen Gegenwart. Die Form der Arbeit ist ein klassischer Bildband, bestehend aus Schwarzweißfotografien und einem Essay des Schriftstellers Thorsten Krämer – in Referenz an eine Buchtradition der 50er und 60er Jahre, die politische und gesellschaftliche Kritik der Gegenwart mit fotografischen Darstellungen der Stadt verknüpfte. Dazu werden 8 Bildtafeln an der Wand präsentiert, auf denen je 3 Bilder aus dem Fluss des Buches gelöst und gemeinsam mit einem kurzen Text in eine neue Konstellation gebracht werden. Hier werden politische Hintergründe einzelner Gebäude sowie thematische Überlegungen formuliert.

Nach dem Vietnamkrieg übernahm die kommunistisch geprägte Pathet Lao die Macht in Laos. Am 2. Dezember 1975 wurde die Demokratische Volksrepublik Laos ausgerufen. Die Laotische Revolutionäre Volkspartei regierte jetzt das Land. Politische und wirtschaftliche Repressionen führten dazu, dass das Land unsicher und instabil blieb. Ein Teil der Bevölkerung verließ Laos und flüchtete nach Thailand, Australien, Frankreich, in die USA und Deutschland.
Kalouna Toulakouns Mutter ist die älteste von neun Geschwistern. Nach dem politischen Umbruch verließ sie 1979 mit ihren zwei jüngeren Brüdern Laos in Richtung Deutschland. Ihre drei jüngeren Schwestern emigrierten 1984 und bauten sich eine neue Existenz in den USA auf. Es blieben eine Schwester und zwei Brüder in Laos zurück und versuchten, sich in dem neuen System zurechtzufinden.
Von dieser Ausgangslage aus fragte sich Toulakoun, wie seine Familie sich in den verschiedenen Gesellschaftssystemen entwickelt hat. Er wollte wissen, welchen Zugang sie zu den Ressourcen der neuen Länder und Communities hatten, wie ihr Zugang zur Bildung gewesen ist und welche sozialen Beziehungen sie aufbauen und für sich nutzen konnten.


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Heute im Schaufenster:
📖 Neu im Dorf
Wie der Zuzug das Leben auf dem Land verändert
Seit einigen Jahren ziehen die Menschen in Deutschland wieder häufiger aufs Land. Überfüllte Großstädte, steigende Mieten und der Trend zum Homeoffice machen den Umzug ins Grüne für viele attraktiv – vor allem für junge Familien. Das Berlin-Institut und die Wüstenrot Stiftung haben in der Analyse „Landlust neu vermessen“ die Wanderungsstatistiken der vergangenen Jahre untersucht. Darauf aufbauend beschreibt die Studie „Neu im Dorf“, wie der Zuzug das Leben auf dem Land verändert. Dazu haben wir sechs Gemeinden besucht und mit zahlreichen Menschen gesprochen.
Der Zuzug kann neuen Schwung in ländliche Gemeinden bringen, die vormals schrumpfende Einwohner:innenzahlen zu verzeichnen hatten. Doch neue Bewohner:innen bringt auch neue Herausforderungen. Welche Gemeinden besonders zulegen und wie es gelingt, das Zusammenleben zu gestalten, beschreibt die Studie: Neu im Dorf – Wie der Zuzug das Leben auf dem Land verändert.
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Heute im Schaufenster:
📖 Leben vor der Stadt.
Einfamilienhäuser als Möglichkeitsräume
Das Einfamilienhaus prägt unsere gebaute Umwelt wie keine andere Wohnform. Lange Zeit galt es als Wohnideal, doch heute steht es angesichts des demografischen Wandels, der Klimakrise und veränderter Lebensstile vor neuen Herausforderungen.
Dieses Buch dokumentiert das Forschungsprojekt „Leben vor der Stadt“ und entdeckt die verborgenen Chancen in bestehenden Einfamilienhausgebieten. Mit konkreten Beispielen und zukunftsweisenden Ideen lädt es Kommunen, Planer:innen, Architekt:innen und Bewohner:innen ein, das Einfamilienhaus als lebendigen Möglichkeitsraum neu zu denken.
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Heute im Schaufenster:
📖 Super Places
Niemanden betrifft die Stadt von morgen mehr als die Jugend von heute. Dennoch werden junge Menschen bei Planungsprozessen übersehen. Oft fehlt nicht das Interesse, sondern das nötige Wissen über kommunale Planungsabläufe und Beteiligungsmöglichkeiten. Super Places ist das erste digitale Tool zur planungskulturellen Bildung für Jugendliche in Deutschland. Es erklärt Stadtplanung verständlich, zeigt Partizipationswege auf und gibt Anleitungen für urbane Interventionen. Diese Publikation dokumentiert den koproduktiven Entwicklungsprozess mit Jugendlichen und legt das Augenmerk auf den Begriff der planungskulturellen Bildung, einen vernachlässigten Teil der baukulturellen Bildung. Sie richtet sich an Stadtplaner*innen, Verwaltungsfachkräfte, Sozialpädagog*innen und alle, die sich für Demokratieförderung und jugendgerechte Stadtentwicklung einsetzen.
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Foto © Wüstenrot Stiftung
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