Eiermann-Magnani-Haus in Buchen-Hettingen/Odenwald

Foto: Thomas Wolf © Wüstenrot Stiftung

Gesamtansicht des Eiermann-Magnani-Haus (Foto: Thomas Wolf © Wüstenrot Stiftung)

Ich halte es für falsch, Fehlinvestitionen in der Art zu machen, dass jetzt notdürftige Bauten, die später ersetzt werden müssen, erstellt werden. Der Bedarf ist so ungeheuer, dass kein neues Gebäude für Jahrzehnte frei sein wird. Darin liegt eine große Verantwortung der Menschheit gegenüber, die ein Heim, aber keine Baracke, keine Kaserne und keine Hundehütte haben soll (…)“ sagte Egon Eiermann (1904 –1970) im Jahr 1946 anlässlich seiner Planungen für eine Siedlung für Heimatvertriebene in Buchen-Hettingen im Odenwald.

Nicht nur architektur-, sondern auch sozialgeschichtlich ist diese Siedlung von großer Bedeutung  Die Häuser und die verwendeten Materialien sprechen von der Not der Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg und sind Zeugnis vom unbedingten Willen des Ortspfarrers Heinrich Magnani und Eiermanns, den Heimatvertriebenen bestmögliche Lebensbedingungen zu schaffen. Die Gestaltung der Häuser bindet nahtlos an Eiermanns Berliner Frühwerk an und ist eines der wenigen Denkmale der „Vor-Wirtschaftswunderzeit“.

Die Instandsetzung

Entscheidend bei den vorgenommenen Reparatur- und Instandsetzungsarbeiten waren der Erhalt und die Konservierung der historischen Oberflächen einschließlich behutsamer restauratorischer Ergänzungen: Im Erdgeschoss wurden die Wand- und Deckenflächen mit einer körnigen reversiblen Schlämme überfasst, Türen und Möbel wurden repariert und aufgearbeitet, ausgetauschte Fenster wurden durch aufgefundene Originalbauteile ersetzt, eine vermutlich schon in den 1950er Jahren eingefügte leichte Trennwand wurde zugunsten des damals innovativen Raumgefüges entfernt, die charakteristische Außenfassade wurde repariert und schadhafte Dachziegel mit bauzeitlichem Material ergänzt. Ein besonderer Glücksfall bestand im Erhalt  der originalen Einbaumöbel, Wasch- und Spülbecken sowie zwei von Eiermann entworfenen Möbeln der Erstausstattung. Im Frühjahr 2018 erfolgte die Wiederherstellung des denkmalpflegerisch bedeutsamen Hausgartens.

Die Ausstellung

Nach denkmalgerechter Instandsetzung des Hauses und des Hausgartens durch die Wüstenrot Stiftung zwischen 2014 und 2016 erfolgte die Einrichtung einer vom Haus der Geschichte Baden-Württemberg konzipierten und von der Wüstenrot Stiftung finanzierten Dauerausstellung. Das wesentliche Objekt der Ausstellung ist das Haus selbst. Das der ursprünglichen Fassung folgende Erdgeschoss ist den beiden Persönlichkeiten Eiermann und Magnani gewidmeten. Hier wird im Kontext der Planung und Realisierung der Siedlung der außerordentliche architektonische Wert des Hauses exemplarisch aufgezeigt. Das weitgehend im letzten bewohnten Zustand belassene Obergeschoss hingegen dokumentiert das Leben der Bewohner/innen und das Schicksal der Heimatvertriebenen. Diese Ausstellungsräume weiten so den Blick vom Individuum auf die Gemeinschaft.

Pultvitrinen lassen das offene Raumkonzept lesbar, Schaukästen nehmen Utensilien und Dokumente auf, lassen aber die Wände als Ausstellungselemente weiterhin sichtbar. Metallene Winkel verweisen auf konkrete Details des Gebäudes und bilden ein Leitsystem, das die/den Besucher/ in durch das Haus führt. Zitate aus den ersten Jahren  geben Standpunkte und Reaktionen auf die Architektur und Geschichte der Siedlung wieder. Im Außenbereich vermitteln Lesepulte auch außerhalb der Öffnungszeiten Informationen über das Haus und seine Geschichte.

Mit einem Gottesdienst, einem Festakt und einer Weihung am 17. Juni 2018 wurden Haus und Ausstellung unter großer öffentlicher Beteiligung feierlich eröffnet.

Infos unter:
www.eiermann-magnani-haus.de

Die Publikation

Zur Eröffnung erschien eine Publikation, die die Geschichte der Instandsetzung des Hauses dokumentiert und anhand der Siedlung in Buchen-Hettingen ein Stück bundesrepublikanische Sozialgeschichte von der Vertreibung und Flucht infolge des Zweiten Weltkriegs bis heute erzählt.

Projektlaufzeit:Denkmalprojek/Ausstellungsprojekt:Eigentümer/Nutzer:
2011 – 2018Wolfram Architekten, Buchen: Alexandra Wolfram; Restauratorische Beratung: Dr. h.c. Helmut F.
Reichwald, Stuttgart (†); Wiegel Landschaftsarchitektur Gartendenkmalpflege,
Bamberg: Helmut Wiegel; Böttcher Restaurierung,
Sinsheim-Rohrbach: Silke und Ralph Böttcher; Marcus
Steidle und Carl Robert Graf Douglas Restaurierung, Rottenburg
a. N.; HPZ Haustechnik Planungsgesellschaft, Offenbach
a. M.: Volker Wetzel; Kurz und Fischer Beratende Ingenieure,
Winnenden: Erik Fischer; Ingenieurbüro Färber & Hollerbach,
Walldürn: Karl-Heinz Hollerbach; Beratung Schadstoffe:
Wolfgang Niemesch, Mudau; Mikrobiologie und Konservierung:
Dr. Stefanie Scheerer, Stuttgart; Machbarkeitsstudie: Crowell
Architekten, Karlsruhe: Barbara Kollia-Crowell, Robert Holmes
Crowell. Außerdem acht Unternehmen in der Bauausführung.
Ausstellung: Haus der Geschichte Baden-Württemberg, Stuttgart:
Prof. Dr. Thomas Schnabel, Prof. Dr. Paula Lutum-Lenger,
Dr. Franziska Dunkel, Ariane Brückel, Petra Bulla, Selina Dieter,
Patrick Dreher, Corinna Herzberg-Rebel, Nana Just, Dr. Stefan
Kirchberger, Signe Krauß, Martin Kühnel, Martin Nowitzki,
Joachim Rüeck, Stefan Stuber, Jan Trautmann, Cosima
Weyers, Barbara Ziereis; Beratung für den Eiermann-Magnani-
Dokumentationsstätte e. V.: Dr. Chris Gerbing, Karlsruhe; Texte
für die Wüstenrot Stiftung: Dr. Dorothea Deschermeier
Ausstellungsgestaltung: büroberlin, Berlin: Ruth Schroers,
Anika Kloss, Julia Neubauer, Vesselina Wilhelm. Außerdem
acht Unternehmen in Grafik, Beratung und Ausführung
Denkmalbehörden: Dr. Ruth Cypionka, Dr. Dörthe Jakobs,
Petra Martin, Dr. Claudia Mohn
Eiermann-Magnani-Dokumentationsstätte
e. V., Buchen-Hettingen: Hans-Eberhard Müller, Karl Mackert,
Wolfgang Voegele, Roland Linsler, Otto Kern sowie Manfred
Pfaus (Ehrenvorsitzender)