Goethes Wohnhaus am Frauenplan in Weimar

Ansicht vom Frauenplan (Foto © Jens Hauspurg, Klassik Stiftung Weimar)

Ansicht vom Frauenplan (Foto © Jens Hauspurg, Klassik Stiftung Weimar)

In dem 1709 erbauten Haus am Frauenplan lebte Johann Wolfgang von Goethe (*1749 , † 1832) von 1782 bis zu seinem Tod. In dieser Zeit verfasste er den größten Teil seiner Schriften und trug seine umfangreichen Sammlungen zur Kunst und zu den Naturwissenschaften zusammen. Nach eigenen Ideen gestaltete Goethe das Haus in den 1790er-Jahren grundlegend um, veränderte danach immer wieder Funktionen einzelner Räume und die Farbgebung von Wänden und Decken.

Unmittelbar nach Goethes Tod wurde ein minutiöses Inventar seines Arbeits- und Schlafzimmers, des Vorzimmers und der Bibliothek aufgestellt. Mit den von Goethe entworfenen Sammlungsmöbeln, den in der Familie bewahrten Erinnerungsstücken und den noch heute erhaltenen Sammlungen basiert die Einrichtung weitgehend auf originalen Objekten. Dadurch bietet das Haus ein einzigartiges geistes- und kulturgeschichtliches Zeugnis der Lebens- und Ideenwelt Goethes. Seit 1998 gehört es zum UNESCO-Welterbe „Klassisches Weimar“.

Bis 1885, dem Todesjahr des letzten überlebenden Enkels Walther von Goethe, blieb das Haus im Besitz der Familie. Seit 1886 ist es als Museum öffentlich zugänglich. Dessen Einrichtung war das  Ergebnis einer auf  Überlieferungsgeschichte, Archiv- und Quellenstudium basierenden Rekonstruktion. Die beiden Anbauten von 1914 und 1935 schufen zwar verbesserte Aufbewahrungs- und Forschungsmöglichkeiten, jede damit verbundene Sanierung und Wiedereinrichtung führte vor dem Hintergrund der jeweils herrschenden gesellschaftlichen und politischen Bedingungen aber auch zu einer neuen zeittypischen Interpretation, wie Goethe zu vermitteln sei.

Das Haus wurde im Zweiten Weltkrieg beschädigt. Es erfolgten eine Reparatur bzw. eine Wiedererstellung der zerstörten Elemente sowie verschiedene Sanierungsmaßnahmen sowohl zu DDR- als auch zu Nachwendezeiten.

Goethes Wohnhaus ist das Zentrum des Ensembles Goethe- Nationalmuseum, zu dem auch zwei Pavillons, die Vulpiushäuser, das Torhaus und die beiden im 20. Jahrhundert errichteten Museumsbauten gehören. Eigentümerin des Ensembles ist die Klassik Stiftung Weimar.

Die Machbarkeitsstudie

Seit 2016  arbeiten die Klassik Stiftung Weimar und die Wüstenrot Stiftung gemeinsam daran, die Grundlagen für eine detaillierte Machbarkeitsstudie zur Evaluierung einer denkmalpflegerischen Grundinstandsetzung des von Besuchern stark frequentierten Goethe Wohnhauses zu schaffen.

Diese beinhalten die umfassende wissenschaftliche Auswertung der vorwiegend handschriftlichen Quellen zum Anwesen und zu Goethes Nachlass, bestehend aus Verzeichnissen, Raumlisten, Sammlungsinventaren, Testamentstexten, Korrespondenzen und Rechnungen. Parallel zur den Quellenrecherchen wurde der Komplex einschließlich der Außenanlagen und der musealen Ausstattung fotografisch dokumentiert und bauphysikalisch untersucht. .

Die Machbarkeitsstudie, die Ende 2020 fertiggestellt werden soll, bereitet die denkmalpflegerische Grundinstandsetzung vor. Damit verzahnt entsteht ein neues kuratorisches Konzept, mit dem nicht nur die Konstruktion des Goethebilds im 19. und 20. Jahrhundert, sondern vor allem auch die Kraft, die Goethe auch im 21. Jahrhundert als Ressource für den Einzelnen und die Gesellschaft entfaltet, erlebbar sein soll.

Projektlaufzeit:Denkmalprojekt:Eigentümer/Nutzer:
seit 2016Machbarkeitsstudie: Adam Sevens, Potsdam, Fotodokumentation;
Stefanie Harnisch, Weimar, Transkription von Archivalien;
IWB Ingenieurbüro für Bauwerkserhaltung, Weimar: Oliver
Hahn,Dr. Cora Pischke
Denkmalbehörden: Landeskonservator Dr. Holger Reinhardt
Klassik Stiftung Weimar/Goethe-Nationalmuseum:
Hellmut Seemann, Prof. Dr. Wolfgang Holler,
Dr. Bettina Werche, Johann Philipp Jung, Reimar Frebel,
Dr. Meike Kirscht, Dr. Kristin Knebel, Catrin Seidel, Elisa Winkler