Multihalle von Frei Otto in Mannheim

Foto © Wüstenrot Stiftung

Visionär und weltweit einzigartig: Zur Bundesgartenschau 1975 wurde in Mannheim die Multihalle erbaut. Der filigran geschwungene Bau von Carlfried Mutschler und Frei Otto ist die bis heute größte freitragende Holzgitterschalenkonstruktion der Welt, eine Ikone der Architektur und nicht zuletzt Ausdruck einer Zeit, die von der Suche nach neuen und freien Formen des Bauens bestimmt war. Neben dem Olympiapark von 1972 in München zählt die Multihalle international zu den bedeutendsten Werken Frei Ottos. Wegen der Einmaligkeit von Form und Konstruktion wurde sie nicht – wie zunächst vorgesehen – wieder abgebaut, sondern erhalten. Seit 1998 steht die Multihalle unter Denkmalschutz – seit 2019 als „Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung“.

Die Multihalle besteht aus zwei Schalen, die durch einen überdachten Steg verbunden sind. Die gesamte Konstruktion misst 160 × 115 m. Der höchste Kuppelpunkt befindet sich 20 m über dem Fußboden. Ihre maximale Querspannweite beträgt 60 m, in der Längsrichtung überspannt sie bis zu 85 m. Die Schalenkonstruktion besteht aus kreuzweise in zwei bzw. vier Lagen übereinander verlegten Latten. Anknüpfend an ihr ursprüngliches Programm, soll die Multihalle zukünftig als offener Raum der sozialen Interaktion, des kulturellen Engagements, der akademischen Wissenschaft und der Partizipation im lokalen und internationalen Maßstab etabliert werden.

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Die aktuellen Sanierungsideen haben zum Ziel, sowohl das Erscheinungsbild als auch das Konstruktionsprinzip des Tragwerks bestmöglich zu erhalten und gleichzeitig die erforderlichen Reparatur- und Verstärkungsmaßnahmen durchführen zu können, damit die Halle genutzt werden kann.

Der erste Beitrag der Wüstenrot Stiftung besteht in der planungsbegleitenden, probeweisen Umsetzung der planerischen Sanierungs- Verstärkungs- und Reparaturideen 1:1 am Objekt. Dadurch werden auf experimentelle Weise Erkenntnisse gewonnen, die zu Planungs-, Kosten- und Terminsicherheit führen, bevor die Maßnahmen zur Ausführung ausgeschrieben werden. In einem ersten Schritt werden dabei Dellen und Beulen mit 100 Schwerlastsprießen wieder in die ursprüngliche Geometrie gedrückt und die Bewegungen der Konstruktion mit Lasern abgebildet und überwacht. In einem zweiten Schritt wird die Verstärkung der Holzkonstruktion und ihrer Anschluss- und Befestigungsdetails einschließlich der Membran getestet. Danach folgt der probeweise Austausch eines Holzrandträgers  und die die Instandsetzung einer Stahlstütze.

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