Die Frankfurter Paulskirche. Ein Forschungs-, Ausstellungs- und Publikationbsprojekt

Foto © Philip Kurz

Die im zweiten Weltkrieg vollkommen ausgebrannte Paulskirche wurde bereits ab 1946 wiederaufgebaut. Das 100. Jubiläum des ersten Parlaments auf deutschen Boden, der 1848/49 tagenden Nationalversammlung, stand bevor. Trotz der beginnenden deutschen Teilung wurde der Wiederaufbau der Paulskirche durch Geld- und Sachspenden aus allen Teilen des Landes getragen. Zu verantwortlichen Architekten wurde eine Arbeitsgemeinschaft unter Führung des bekannten Kölner Kirchenbaumeister Rudolf Schwarz bestimmt. Dieser formulierte voller Pathos den Anspruch, die neue Paulskirche sei „von einer solch mönchischen Strenge, daß darin kein unwahres Wort möglich sein sollte“.

Zur selben Zeit wurde in Frankfurt mit großer Schärfe über den Wiederaufbau des ebenfalls zerstörten Goethehauses diskutiert. Anders als dieses wurde die Paulskirche schließlich nicht rekonstruiert, sondern in einem Akt ‘ interpretierender Denkmalpflege‘ (Wolfgang Pehnt) als Denk- und Mahnmal in den ausgeglühten Mauern neu aufgebaut. So entstand einerseits ein Erinnerungsort an den gescheiterten ersten Versuch der Demokratie auf deutschem Boden und zugleich eine gebaute Verpflichtung, aus der zweiten Niederlage der Demokratie in der Katastrophe des NS-Regimes nun die richtigen Lehren für die Zukunft zu ziehen.

Seit 2017 hegt die Stadt Frankfurt Sanierunsabsichten für die Paulskirche. Diese haben eine öffentliche Debatte angestoßen, ob der derzeitige Zustand noch akzeptabel und der Würde des Ortes angemessen sei. Hierbei wird jedoch häufig übersehen, dass die Paulskirche mittlerweile keineswegs mehr dem Zustand des Wiederaufbaus entspricht, sondern dem Ergeb-nis einer Sanierung zwischen 1986 und 1988. Die Raumkonzeption ist geblieben, aber die zur Ausbalancierung der Kargheit geschaffenen feinen Details sind an vielen Stellen zerstört worden.

Um die Konzeption und Qualität des Wiederaufbaus von 1948 in Bezug auf den ursprünglichen Bau zu erforschen, neu zu entdecken und – auch vor dem Hintergrund der Frankfurter Altstadtrekonstruktion – zu erklären, hat die Wüstenrot Stiftung 2019 zusammen mit dem Deutschen Architekturmuseum (DAM) Frankfurt ein Forschungsprojekt ins Leben gerufen. Eine zentrale Fragestellung hierbei:
Was wiegt stärker: Die Sehnsucht, mehr von der Geburtsstunde des Parlaments 1848 zu spüren, oder die Erinnerung daran, wofür die Paulskirche seit 1948 steht?

Die Ausstellung

Als Diskussionsgrundlage eröffnete im September 2019 im Deutschen Architekturmuseum eine eigens konzipierte Ausstellung, welche die Erinnerung an die Debattenkultur der Nachkriegspaulskirche gleichberechtigt neben Architekturexponate stellt.

Die im Zuge des Projekts gesammelten und publizierten Ergebnisse sollen zum Verständnis des Denkmals Paulskirche in seiner geschichtlich geprägten Komplexität dienen und Wege zum Umgang mit diesem nationalen Denkmal aufzeigen.

Projektlaufzeit:Kooperationspartner:
2012 – 2021Deutsches Architekturmuseum (DAM),
Frankfurt a. M.: Oliver Elser, Peter Cachola Schmal, Felix
Torkar, Maximilian Liesner, Tiziana Agus, Lisa Katzenberger,
Lillith Kreiß, Miriam Kremser, Elena Melnikow-Schneidmiller,
Felix Tauber; unterstützt durch: uncube magazine