Schalenbauten von Ulrich Müther auf Rügen

Die kühnen Schalenbauten des Ingenieurs und Bauunternehmers Ulrich Müther (*1934,† 2007) zählen zu den herausragenden kulturellen Hinterlassenschaften der DDR.

Die zeitaufwendige aber materialsparende Herstellung von Müthers nur wenigen Zentimetern dünnen Betonschalen entsprach den wirtschaftlichen Bedingungen der DDR. Die Bauten wurden so schnell zu einem Exportgut, das Müther auch in Libyen, Jordanien, Kuwait, Polen, Kuba und Finnland konzipierte. Nach 1989 verfielen viele seiner Bauten oder wurden mangels geeigneter Nutzung abgerissen.

Der Rettungsturm in Binz und die Kurmuschel in Sassnitz

Nach Begutachtung etlicher Mütherbauten wählte die Wüstenrot Stiftung zwei seiner Kleinarchitekturen für eine denkmalpflegerische Instandsetzung aus: den ehemaligen Rettungsturm der Strandwache in Binz (1981/82) und den in Zusammenarbeit mit dem Architekten Dietmar Kuntzsch und dem Statiker Otto Patzelt entwickelten Musikpavillon Kurmuschel in Sassnitz (1986 –1988). Beide Bauwerke zeichnen sich durch ihre prominente Lage an der Ostseeküste aus.

Grundlage der im Frühjahr 2018 durch das Architekturbüro Heike Nessler abgeschlossenen Instandsetzung war die Vereinbarung mit den Eigentümerinnen der Bauwerke, der Gemeinde Ostseebad Binz und der Stadt Sassnitz, zur langfristigen denkmalgerechten Nutzung und öffentlichen Zugänglichkeit. Der ehemalige Rettungsturm wird wieder als Standesamt, die Kurmuschel wieder für Konzerte und Veranstaltungen genutzt.

Die Instandsetzung

Beim dämmungsfrei ausgeführten Rettungsturm beanspruchen vor allem Temperaturschwankungen und hohe Luftfeuchtigkeit die dünne Betonschale und die hölzerne Fensterkonstruktion. Kondenswasser, Feuchtigkeit und Schimmel im Inneren führten zur Zerstörung der Holzeinbauten und Oberflächenbeschichtungen. Nach der Instandsetzung wird die von innen mit einem dünnen Dämmschutz versehene Betonschale durch eine Elektro-Flächenheizung temperiert und durch eine neue Lüftungsanlage ventiliert. Die Holzfassadenelemente wurden gemäß bauzeitlicher Aufteilung neu hergestellt. Ebenso entsprechen die Außentreppe sowie alle inneren und äußeren Oberflächen wieder dem ursprünglichen Zustand.

Bei der Kurmuschel drang insbesondere bei Sturm Feuchtigkeit in die Schalenoberflächen sowie in die beiden Kulissenbauten ein. Bei Sturmflut wird die Kurmuschel regelmäßig von Wellen und Treibgut getroffen. Bei der Instandsetzung wurden die Türöffnungen der Kulissenbauten gegen eindringendes Wasser isoliert. Schadhafter Putz am Bauwerk wurde entfernt und anschließend eine für die jeweilige Gebäudeposition geeignete Oberflächenbeschichtung aufgebracht. Restauratorische Untersuchungen ergaben zudem eine bauzeitliche Farbfassung, welche rekonstruiert wurde. Türen und Fenster wurden instandgesetzt und mit einer Schutzbeschichtung versehen. Für eine zukünftige Nutzung wurde die Bühnenfläche elektrifiziert und das Innere der Kulissenbauten repariert und instandgesetzt.

Die Eröffnung

Am 26.04.2019 feierten die Gemeinde Ostseebad Binz und die Wüstenrot Stiftung die Wiedereröffnung des Rettungsturms mit einer festlichen Abendveranstaltung und einer Ulrich Müther und dessen Werk gewidmeten Lasershow, musikalisch begleitet von Carolina Eyck mit dem Theremin.

2018 und 2019 erinnerte die Kurverwaltung des Ostseebades Binz mit einer von zahlreichen Veranstaltungen begleiteten Themenwoche an den Visionär, Landbaumeister von Rügen und Hyparschalen-Spezialisten Ulrich Müther.

Die Publikation

Die Ergebnisse und Erkenntnisse aus der Instandsetzung des Rettungsturms in Binz und des Musikpavillons Kurmuschel in Sassnitz werden für die Öffentlichkeit bis Ende 2020 in einer Publikation dokumentiert.

Das Projekt in den Medien

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Projektlaufzeit:Denkmalprojekt:Eigentümer/Nutzer:
2016 – 2018Architekturbüro Nessler, Lauterbach: Heike
Nessler; GSE Ingenieur-Gesellschaft, Berlin: Gabriele Henkens,
Dr. Jörg Enseleit, Dietmar Böhme; Ingenieurbüro Engelbrecht,
Stralsund: Henrik Engelbrecht, Hannes Engelbrecht; Ibast
Baustatik, Rostock: Frank Dommnich; Restaurierung Hans-
Henning Bär, Sundhagen; MAB Vermessung Vorpommern,
Greifswald: Olaf Böhne; Machbarkeitsstudie: Büro für Architektur,
Denkmalpflege und Bauforschung adb, Ewerien und
Obermann, Berlin: Steffen Obermann, Dr. Beatrice Thön;
Ingenieurbüro Niehsen-Baumann, Chemnitz: Lutz Baumann.
Außerdem Rast Bau, Sellin, und sieben weitere Unternehmen
in der Bauausführung
Denkmalbehörden: Dr. Markus Sommer-Scheffler
Rettungsturm 1 der Strandwache in Binz:
Gemeinde Ostseebad Binz: Kurdirektor Kai Gardeja, Kathrin
Zangerl, Holger Vonberg / Musikpavillon Kurmuschel in Sassnitz:
Stadt Sassnitz: Claudia Klemens, Ingo Stoltz