Teilhabe-Atlas Deutschland

Foto © Wüstenrot Stiftung

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Gleichwertige Lebensverhältnisse in möglichst allen Regionen in Deutschland – dieser Anspruch scheint aktuell kaum noch erreichbar. Die Entwicklung in strukturschwachen Gebieten oder Quartieren, die eine geringe wirtschaftliche Dynamik aufweisen, unterscheidet sich eher zunehmend von der in prosperierenden Regionen. Hier haben offenbar immer mehr Menschen den Eindruck, dass die Politik ihre Sorgen und Nöte nicht mehr hört, und dass ihre Region von der insgesamt erfolgreichen Entwicklung „abgehängt“ wird.

Gleichwertige Lebensverhältnisse bedeutet nicht, dass es in allen Regionen genau die gleichen Verhältnisse, Infrastrukturausstattung oder Angebotsstruktur geben muss. In einer demokratischen Gesellschaft haben im Idealfall jedoch alle Bürger/innen vergleichbare Chancen, am öffentlichen Leben teilzunehmen – möglichst unabhängig von ihren finanziellen Möglichkeiten oder von ihrem Wohnort.

Gelingt dies in Deutschland noch überall in einem ausreichenden Umfang? Oder gibt es tatsächlich immer mehr Landstriche oder Quartiere, in denen die Bewohner geringere Teilhabechancen als in anderen Regionen haben? Bisher werden räumliche Unterschiede vor allem kleinräumig diskutiert, beispielsweise zwischen verschiedenen städtischen Quartieren. Der Fokus liegt dabei oft auf der Qualität der Schulen oder der Dichte an verfügbarer Infrastruktur.

Doch wie sieht es bei einem erweiterten Vergleich der Regionen und Kreise in Deutschland aus? Unterscheiden sich die Möglichkeiten auf gesellschaftliche Teilhabe je nachdem, ob der Wohnort in einer ländlichen Region, in einem Ballungszentrum, im Osten oder im Süden der Republik liegt? Und welche Unterschiede zeigen sich auch innerhalb einzelner Regionen? Hat die räumliche Dimension heute in Deutschland einen größeren Einfluss darauf, wie stark Menschen an der Gesellschaft teilhaben können, als es mit dem Anspruch auf gleichwertige Lebensverhältnisse vereinbar ist?

Das Projekt

Die Wüstenrot Stiftung hat das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung mit einer explorativen Studie zu diesen Fragen beauftragt. In einem ersten Schritt wurde mit verschiedenen Indikatoren und Indizes ein „Teilhabe-Atlas“ erstellt. Er bildet auf der Grundlage von leicht verfügbaren Daten und Informationen die wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und politischen Teilhabechancen in den Landkreisen und kreisfreien Städte ab.

Aber nehmen die Menschen die ungleichen Lebensverhältnisse auch wahr? Fühlen sich die Bewohner vermeintlich abgehängter Regionen benachteiligt? Sind die Menschen in den erfolgreichen Regionen zufrieden? Oder bestimmen andere Faktoren das Lebensgefühl vor Ort?

Um Antworten auf diese Fragen zu finden, wurden in einem weiteren Schritt 15 exemplarisch ausgewählte Regionen in allen Teilen der Republik besucht und mit Bürgern und Politikern sowie Vertretern der Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft gesprochen. Aus beiden Untersuchungsteilen wurden gezielte Handlungsoptionen für Politik und Gesellschaft abgeleitet.

Die Publikation

Der Teilhabe-Atlas liefert ein detailliertes Bild vom vielfältigen Leben in diesem Land. Mancherorts geht es den Menschen objektiv betrachtet hervorragend und viele sind trotzdem unzufrieden. Anderenorts ist die Lage schwierig, aber dennoch herrscht gute Laune.

Wie sich die Regionen unterscheiden, wie die Menschen ihre Situation wahrnehmen und wo in Deutschland sie sich abgehängt fühlen, kann in der 2019 veröffentlichten Studie nachvollzogen werden.

Projektlaufzeit:Kooperationspartner:
2017 – 2019
Auftragnehmer: Dr. Reiner Klingholz, Manuel Slupina, Theresa Damm, Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung, Berlin