Dialog der Kommunen in Deutschland und Frankreich

Foto: Stefan Krämer © Wüstenrot Stiftung

Foto: Stefan Krämer © Wüstenrot Stiftung

Die Urbanisierung schreitet als globaler Trend scheinbar unaufhaltsam in nahezu allen Regionen voran. Weltweit lebt inzwischen mehr als die Hälfte der Menschen in Städten. Parallel dazu werden jedoch auch die Stimmen energischer, die anstelle einer dichotomen Land-Stadt-Betrachtung eine differenziertere Diskussion über ein Auseinanderdriften der Lebenslagen zwischen Zentren und peri-urbanen Räumen fordern. Diese Diskussion soll die vielfältigen Hinweise aufgreifen, dass mit der fortschreitenden Urbanisierung nicht nur siedlungsstrukturelle Veränderungen verbunden sind, sondern dass sich auch Lebensweisen und -orientierungen vieler Menschen verändern.

In Frankreich hat die Bewegung der sogenannten Gelbwesten deutlich vor Augen geführt, dass in Teilen der Bevölkerung offensichtlich eine tiefsitzende Unzufriedenheit mit den Angeboten der öffentlichen Daseinsvorsorge und Infrastruktur entstanden ist. Sie richtet sich vor allem auf die Auswirkungen der Versuche, diese Angebote an veränderte gesellschaftliche, ökonomische und politische Rahmenbedingungen anzupassen. Ähnliche Prozesse sind auch in Deutschland zu beobachten, wo der Protest seinen Ausdruck bisher vor allem in Verschiebungen des traditionellen Parteienspektrums findet.

Es sind nicht mehr länger vorrangig die Unterschiede zwischen Stadt und Land, die unterschiedliche Lebensverhältnisse verursachen, sondern auch urbane Großräume (Agglomerationen) und ihre Umgebungen sind heute von zunehmenden sozialen Differenzierungen geprägt und weisen eine wachsende Binnenheterogenität auf. Die Bereitstellung einer leistungsfähigen regionalen Infrastruktur, die verlässliche Chancen und Perspektiven für eine berufliche, soziale und wirtschaftliche Teilhabe bietet, ist vor allem für die Bewohner an den Rändern der Ballungszentren eine komplexe Aufgabe. Mit der vielfältigen und teils wachsenden funktionalen Verflechtung von Kernstädten und ihrem erweiterten Umland ist sie noch schwieriger geworden.

Vor diesem Hintergrund weisen viele Fachleute darauf hin, dass die Abgrenzungen räumlicher Planung heutzutage fließender werden müssen, um die funktionalen Verflechtungen angemessen abbilden zu können. Die Aufgabe besteht wesentlich darin, flexible Kooperationsstrukturen für einen erweiterten Raum zu schaffen, die einen konstruktiven und synergetischen Interessenausgleich zwischen lokalen und regionalen Akteuren aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ermöglichen.

Das Projekt

Die Wüstenrot Stiftung hat gemeinsam mit dem Deutsch-Französischen Institut (Ludwigsburg) ein Projekt konzipiert, um zu diesem Thema einen lokalen und regionalen Austausch zwischen deutschen und französischen Kommunen zu ermöglichen. Ziel ist es, die Entwicklung von urbanen Großräumen und  die mit der fortschreitenden Urbanisierung verbundenen Auswirkungen auf die Lebensqualität und auf die ökonomische, politische und soziale Teilhabe der Bevölkerung vergleichend zu untersuchen. Eine praxisorientierte Ausrichtung soll für möglichst viele Akteure aus Politik, Verwaltung und Bürgerschaft in verschiedenen Regionen und Gebietskörperschaften konkrete Handlungsansätze erkennbar machen.

Projektlaufzeit:Kooperationspartner:
seit 2017Auftragnehmer: Prof. Dr. Frank Baasner, Dominik Grillmayer, DFI Deutsch-Französisches Institut, Ludwigsburg