Holzhängeschale „Sonnensegel“ von Günter Behnisch in Dortmund

Das Sonnensegel im Jahr 1969 (Foto © saai)

Das Sonnensegel im Jahr 1969 (Foto © saai)

Günter Behnisch gilt als einer der bedeutendsten deutschen Architekten der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Seine Gebäude prägten seit den 1950er-Jahren auch international das Bild der jungen Bundesrepublik, besonders durch den Entwurf des Geländes der Olympischen Sommerspiele 1972 in München.

1969 fand in Dortmund eine Europa-Gartenschau statt, bei der die Arbeitsgemeinschaft Holz e.V. anhand eines Pavillons die besonderen  Eigenschaften des Werkstoffs Holz zeigen wollte. Behnisch entwarf dafür das Sonnensegel, eine hyperbolische Paraboloidschale, bei dem er sich an dem textilbespannten Musikpavillon der Bundesgartenschau 1955 in Kassel von Frei Otto orientierte. Seine Gestaltung steht auch in Zusammenhang mit den Arbeiten des spanisch-mexikanisch-US-amerikanischen Architekten Félix Candela und den Arbeiten von Bauschaffenden aus der DDR, wie Herbert Müller und Ulrich Müther, die seit den 1950er-Jahren mit Schalenbauten – allerdings vor allem aus Beton – experimentierten.

Das Sonnensegel zeigt eine für die Nachkriegszeit typische Architektursprache und gilt zudem als das erste zugbeanspruchte Holzflächentragwerk mit freien Rändern. Es steht auch heute noch für das neue, heitere und höchst moderne Bild der Architektur dieser Zeit in Deutschland.

Das Sonnensegel im Jahr 1969 (Foto © saai)

Die Instandsetzung

Das Sonnensegel war ursprünglich für eine temporäre Nutzungsdauer ausgelegt.  Zu Beginn der Instandsetzung wies es massive Schäden durch Feuchtigkeit, Witterungseinflüsse und Pilzbefall auf. Seine Tragfähigkeit war gefährdet.

Nach umfangreichen Untersuchungen des zeitgeschichtlichen und bauhistorischen Materials sowie der Bausubstanz und Mithilfe eines digitalen Modells, das die Beanspruchung der einzelnen Bauteile sowie die verschiedenen Belastungssituationen genau analysiert, entwickelten die Ingenieure Knippers Helbig, Stuttgart/New York, ein Instandsetzungskonzept, durch das die Substanz des Sonnensegels weitgehend erhalten und die Tragfähigkeit durch eine neue Sekundärstruktur gesichert wird. Diese experimentelle Herangehensweise entspricht dem Geist des Objekts, das schon bauzeitlich als Experimentalbau konzipiert war.

Um das Segel dauerhaft zu stabilisieren werden u.a.  die defekten Holzstützen und die stählernen Spannseile ausgetauscht. Die neuen – aus acetyliertem Holz gefertigten – Holzstützen rüsten das Bauwerk für die Zukunft. Das Bauholz wird in einem chemischen Verfahren getrocknet und mit Essigsäureanhydrid behandelt, wodurch die Ansiedlung von Pilzen oder Insekten verhindert bzw. erschwert wird. Das präparierte Holz ist dadurch wesentlich haltbarer als konventionelles ohne seine Recyclingfähigkeit zu verlieren.

Auch die schwer geschädigte bauzeitliche Holzmembran litt unter großflächigen Schäden und müssen unter Zuhilfenahme eines aufwendigen Raumgerüsts zu über 50 % ersetzt werden. Zum zukünftigen Schutz vor den Einflüssen der Witterung wird außerdem eine neue Dachabdichtung sowie ein Schutz der Randträger vorgesehen.

Die Instandsetzungsarbeiten sollen Ende 2020 abgeschlossen werden. Im Anschluss daran wird das Gelände unter dem Sonnensegel bearbeitet, damit es zukünftig wieder für verschiedene Veranstaltungsformate zur Verfügung steht und auch neuen Nutzungsanforderungen gerecht werden kann.

Projektlaufzeit:Denkmalprojekt:Eigentümer/Nutzer:
seit 2017Knippers Helbig Advanced Engineering,
Stuttgart/New York: Thorsten Helbig, Florian Gauss,
Dominique Sghair; Materialprüfungsanstalt Universität Stuttgart
(MPA Stuttgart, Otto-Graf-Institut): Dr. Simon Aicher, Jürgen
Hezel; HWR Architekten, Dortmund: Gunnar Ramsfjell, Michael
Herold, Georgis Rexin, Sandra Körner; Strauss Fischer, Historische
Bauwerke, Krefeld: Dr. Stephan Strauss
Denkmalbehörden: Landeskonservator Dr. Holger Mertens,
Dr. Christoph Heuter, Michael Holtkötter
Stadt Dortmund/Sport- und Freizeitbetriebe:
Bernd Kruse, Annette Kulozik, Alexander Burg, Aiko
Wichmann, Thomas Walzl, Johannes Zejfert