Der Einsteinturm von Erich Mendelsohn in Potsdam

Der 1920-1921 erbaute Einsteinturm im heutigen „Wissenschaftspark Albert Einstein“ auf dem Telegrafenberg in Potsdam gilt nicht nur als bedeutendste architektonische Leistung des deutschen Expressionismus. In die dynamische Architektur des von Erich Mendelsohn entworfenen Bauwerks flossen in gleicher Weise Reflexe des Epochenwechsels der Naturwissenschaft und der Kunst ein. Der Einsteinturm wurde als Observatorium erbaut. In dem revolutionären Gebäude sollte die Gültigkeit von Einsteins Relativitätstheorie experimentell bestätigt werden. Noch heute wird der Einsteinturm vom Astrophysikalischen Institut Potsdam für die Sonnenforschung benutzt.

Seit seiner Entstehung hat der Turm eine lange Geschichte von Schäden und Reparaturen. Hauptursachen sind thermische Spannungen durch unterschiedliche Materialien und Wandstärken des Observatoriums. Mendelsohn ließ den Turm in einer Mischbauweise aus Ziegelmauerwerk und Eisenbeton mit einem Überzug aus körnigem Spritzputz ausführen. Schon 1927, nur fünf Jahre nach Fertigstellung, musste der Turm wegen zahlreicher Defekte – Durchfeuchtungen, Risse und Rostschäden – umfassend saniert werden. Die zweite Generalüberholung wurde 1940/41 notwendig. In den Jahren 1958, 1964, 1974-78 und 1984 wurden weitere Reparaturen vorgenommen.

Die Instandsetzung

Nach umfangreichen Untersuchungen und Kartierungen führte die Wüstenrot Stiftung 1997-99 die bisher gründlichste Sanierung durch. Ziel war eine nachhaltige Sicherung der Originalsubstanz des Bauwerks, wobei sich die Bauarbeiten wesentlich auf die erheblichen Schäden an der äußeren Hülle konzentrierten. Die Analyse der Bauschäden wurde Ende 1996 abgeschlossen und das Sanierungskonzept 1997 erarbeitet. Am 1. Juli 1999 wurde der Einsteinturm im Rahmen einer Feierstunde wieder dem Nutzer, dem Astrophysikalischen Institut Potsdam, übergeben.

Nach 20 Jahren ist der Turm wieder sanierungsbedürftig, insbesondere wegen Rissen im Putz, Schäden an den Oberflächen und Wassereintritten an undichten Stellen. Die Wüstenrot Stiftung hat sich dazu entschlossen, aufbauend auf den Erkenntnissen der letzten Instandsetzung, den Einsteinturm erneut in ihr Denkmalprogramm aufzunehmen und im Zuge dessen auch eine erneute Reparatur durchzuführen.

Auch der unmittelbar neben dem Turm gelegene sogenannte „Kleine Refraktor“ soll in die Instandsetzung mit einbezogen werden.
Dieser eingeschossige, unterkellerte Putzbau, bestehend aus einem rechteckigen Trakt mit kleinen Betriebsräumen und einem gerundeten Baukörper, war ehemals kuppelgedeckt und enthielt einen weiteren Refraktor. Er entstand in der Erweiterungsphase der Sternwarte 1911-1930 und bildet als technisches Gebäude einen anschaulichen Funktionsbau der historischen Sternwartenanlage, der sich architektonisch in die bestehende Gesamtanlage einfügt. Der Kleine Refraktor wurde 2019 als Gebäude der Denkmalliste des Landes Brandenburg hinzugefügt. Der Bau weist große Schäden auf und ist bislang noch nie saniert worden.Denkbar wäre die Nutzung als Informationsstelle mit Ausstellung für Besucher

Projektlaufzeit:Denkmalprojekt:Eigentümer/Nutzer:
1997 – 1999Pitz + Hoh, Werkstatt für Architektur und DenkmalpflegeAstrophysikalisches Institut Potsdam
ab 2019Astrophysikalisches Institut Potsdam