Der Einsteinturm von Erich Mendelsohn in Potsdam

Der zwischen 1920 und 1922 als Observatorium errichtete Einsteinturm im heutigen „Wissenschaftspark Albert Einstein“ auf dem Telegrafenberg in Potsdam ist ein für seine Entstehungszeit revolutionäres Bauwerk. In diesem Gebäude sollte die Gültigkeit von Einsteins Relativitätstheorie experimentell bestätigt werden. Seit 1917 plante der Astrophysiker Erwin Finlay Freundlich in Abstimmung mit Einstein den Bau eines geeigneten Observatoriums, für dessen Umsetzung schließlich der Architekt Erich Mendelsohn gewonnen wurde.

Mendelsohn suchte nach neuen architektonischen Ausdrucksformen, die er mit den zeitgemäßen Baumaterialien Stahl und Stahlbeton realisieren wollte. Die organische Form des Einsteinturms leitet sich direkt aus dessen innerer Konstruktion ab. Ein ausgeklügeltes System aus Spiegeln und Linsen leitete das Sonnenlicht in ein unterirdisches Laboratorium. Auf zwei Stockwerken angeordnet finden sich auf der Südseite des Turms ein Arbeits- und ein Übernachtungsraum. Im mittig darüber platzierten Turmschaft führen Treppen zu den unterirdischen Laboratoriumsräumen und hinauf zum Kuppelraum. Im Innern des plastisch modelliert wirkenden Gebäudes finden sich dabei kaum rechte Winkel.

Die Instandsetzung

Seit seiner Entstehung begleitet den Einsteinturm eine lange Geschichte von Schäden und Reparaturen. Gründe hierfür sind vor allem thermische Spannungen durch unterschiedliche Materialien und Wandstärken des Observatoriums. Schon 1927, nur fünf Jahre nach Fertigstellung, musste wegen zahlreicher Defekte – Durchfeuchtungen, Risse und Rostschäden – umfassend saniert werden. Die zweite Generalüberholung wurde 1940/41 notwendig. Es folgten weitere Reparaturen in den Jahren 1958, 1964, 1974–1978 und 1984. Nach umfangreichen Untersuchungen und Kartierungen führte die Wüstenrot Stiftung 1997-1999 die bisher gründlichste Instandsetzung durch.

Der Turm wird auch heute noch wissenschaftlich genutzt und ist außerdem jedes Jahr das Ziel vieler tausend Architekturbegeisterter aus der ganzen Welt. In den vergangenen 20 Jahren sind jedoch wieder neue Schäden aufgetreten. Dazu gehören Risse im Putz, Schäden an Oberflächen und Wassereintritte an undichten Stellen. Zudem wurde mit Mitteln der Getty Stiftung, Los Angeles, eine Simulationsberechnung zum Wärme- und Feuchteverhalten erstellt, die zusätzliche Erkenntnisse hervorgebracht hat.

Auf Grundlage der letzten Instandsetzung und der seitdem durchgeführten regelmäßigen Begutachtungen durch den Architekten Helge Pitz sowie aller heute verfügbaren Erkenntnisse verfolgt die Wüstenrot Stiftung zusammen mit dem Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam nun eine erneute Grundinstandsetzung des Einsteinturms. Besonders berücksichtigt sollen dabei auch die zum Turm gehörenden Außenanlagen und der in unmittelbarer Nähe gelegene „Refraktor A23“ werden. Dieser seit Jahren leer stehende „Kleine Refraktor“ soll in Zukunft zur Entlastung des Einsteinturms als Anlaufstelle für Besucher und als wissenschaftlich- und architekturhistorischer Vermittlungsraum dienen.

Projektlaufzeit:Denkmalprojekt:Eigentümer/Nutzer:
1997 – 1999Pitz + Hoh, Werkstatt für Architektur und DenkmalpflegeAstrophysikalisches Institut Potsdam
seit 2018Astrophysikalisches Institut Potsdam