Mosaik-Außenwandbild „Der Mensch in Beziehung zu Natur und Technik“ von Josep Renau in Erfurt

Foto © Stadtverwaltung Erfurt / Dirk Urban

Josep Renau und Renau-Kollektiv: Karton für das Erfurter Wandbild „Die Beziehung des Menschen zu Natur und Technik“ im Maßstab 1:5, 5-teilig, 1980/81, farbige Papiere, montiert auf farbig grundierten Pressspanplatten, farbige Übermalungen, Angermuseum Erfurt, Foto © Stadtverwaltung Erfurt / Dirk Urban

Ich male nicht für das Zentralkomitee, ich male nicht für die Partei, ich male nicht für die Kunstkritiker, sondern ich male für die Leute, die sich nicht für Malerei interessieren. (…) Damit die Leute heute Kunst zu sehen bekommen, müssen sie in ein Museum, eine Galerie oder eine Ausstellung gehen, aber das ist nach meiner Ansicht falsch, denn die Kunst muss zum Menschen kommen, in jedes Haus, ohne zu fragen!“, so der spanische Künstler Josep Renau 1980 in einem Vortrag in Erfurt.

Die Wüstenrot Stiftung verfolgt mit unterschiedlichen Projekten die Erforschung, Erhaltung und Sichtbarmachung von kulturellem Erbe in Deutschland, zu dem auch das kulturelle Erbe der DDR zählt. Obwohl sich auch dieses durch große schöpferische Leistungen auszeichnet, ist es durch fehlende Wertschätzung immer noch besonders gefährdet. Mit dem ca. 7 x 30 m großen Mosaik-Außenwandbild „Die Beziehung des Menschen zu Natur und Technik“ von Josep Renau restauriert die Wüstenrot Stiftung erstmals exemplarisch ein monumentales Werk architekturbezogener Kunst im öffentlichen Raum der DDR. Renaus bildliche Fantasien haben im mexikanischen Muralismo ihr Vorbild. In Renaus Bilder flossen jedoch auch vielfältige formale Anregungen der Klassischen Moderne ein, die nicht unter die idealtypischen Charakteristika des Sozialistischen Realismus fallen.

Die Restaurierung

Bei der Abnahme des aus ca. 70.000 Glasfliesen bestehenden Mosaiks wurde dieses in Teilflächen zerlegt. Während der Restaurierung werden diese eingelagerten Teilflächen an der Rückseite bis zum Versetzmörtel gedünnt, gereinigt und das Schadensbild kartiert. Gebrochene Mosaikelemente werden zusammengesetzt, wieder im Gefüge positioniert und die Mosaikfugen von hinten mit Sand verfüllt. Um sicherzustellen, dass die einzelnen Mosaiksteine beim folgenden Auftragen des Ausgleichsmörtels nicht verrutschen, werden lose liegende Elemente durch einen Versatzmörtel fixiert.

Für fehlende Mosaiksteine werden in diesem Schritt Platzhalter eingesetzt.  Nachdem alle Fliesen fixiert sind erfolgt auf der Rückseite des Mosaiks der Verguss mit Mörtel. In den Mörtel wird dabei zur Verstärkung ein Armierungsgewebe eingelegt. Nach dem Aushärten des Mörtels werden die Teilflächen gewendet und die Glasoberflächen gereinigt. Die Fehlstellen werden anschließend mit Mosaiksteinen aus dem Bestand oder neuen Steinen geschlossen. Zuletzt werden die Steine neu verfugt. Die neuen Mosaiksteine fügen sich in Materialität und Farbe in das Gesamtbild ein. Bei genauerer Betrachtung bleiben die Ergänzungen jedoch als solche erkennbar.

Nach der Restaurierung werden die 252 Teilflächen des Mosaiks auf spezielle, für die Wiederanbringung hergestellte Betonfertigteile appliziert und auf einer neuen Betonkonstruktion am ursprünglichen Ort des ehemaligen Kultur- und Freizeitzentrums am Moskauer Platz in Erfurt wieder aufgestellt.

Eine umfangreiche Dokumentation wird die Geschichte und Bedeutung des Wandbilds erläutern und die technischen Aspekte sowie die eingesetzten Konservierungs- und Restaurierungstechnologien beschreiben, sodass die bei den Arbeiten gewonnenen Erkenntnisse auch für andere Projekte nutzbar werden. Zur Vermittlung des Projekts fand bereits im April und Mai 2017 eine Ausstellung im Angermuseum in Erfurt statt.

Das Projekt in den Medien

  • Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 28.05.2017: „Der Mensch ist nur ein Stein“
Projektlaufzeit:Denkmalprojekt:Eigentümer/Nutzer:
seit 2014Spangenberg + Braun – Freie Architekten,
Erfurt: Frank Spangenberg, Anne Reinke; Trabert + Partner,
Ingenieurbüro für Statik und Konstruktion, Geisa: Dr. Josef
Trabert; Restaurator Peter Jung, Weimar; Dr. Uwe Erfurth, Bad
Kohlgrub, Sachverständiger (Bauschäden, Umweltverschmutzung,
Denkmalpflege, Putz, Naturstein, Beton); Bauforschung
Wilma Rambow, Leipzig Projektbezogener Beirat: Prof. Dr. Karl-Siegbert Rehberg,
Dresden, und Diplom-Malerin Marta Hofmann, Müncheberg-
Bienenwerder (Zeitzeugin/Mitarbeiterin von Josep Renau) Publikation: Dr. Oliver Sukrow und 20 weitere Autoren/innen
Denkmalbehörden: Landeskonservator Dr. Holger Reinhardt,
Sibylle Lohse, Katja Sterzl
Landeshauptstadt Erfurt: Kulturdirektor Dr. Tobias
J. Knoblich